Politik

 

Ein paar Worte zu den Problemen und Auseinandersetzungen im Kaukasus :

Kaukasien ist das ethnisch und sprachlich bunteste Gebiet Europas. Im zentralen Raum zwischen Großem und Kleinem Kaukasus und südwestlich davon haben sich Völker der georgisch-mingrelischen Sprachgruppe behaupten können. Zu ihnen zählen die Georgier, Mingrelier, Lazen und Swanen. Sie sprechen eigene Sprachen und haben unterschiedliche Kulturtraditionen bewahrt. Südlich davon leben die Armenier, die auf Grund langer Eigenstaatlichkeit und kirchlicher Autonomie recht homogen sind und eine isolierte indogermanische Sprache sprechen. Östlich von ihnen wohnen die Azeri, ein Zweig der turkmenischen Stämme. Zwischen beiden Völkern siedeln kurdische und assyrische Gruppen (richtig gelesen: Assyrer ! Auch ich glaubte die seit über 2.000 Jahren ausgestorben). In den südöstlichen Bergen haben die Taten, die Bergjuden, eine iranische Sprache bewahrt. Daghestans Bevölkerung umfaßt turksprachige Gruppen, Iraner und mehrere Stämme altkaukasischer Sprachen.

Im nordöstlichen Vorland siedeln die mongolischen Kalmücken. Ihre Nachbarn nach Westen hin sind die altkaukasischen Tschetschenen, Inguschen und Reste der Tscherkessen, deren Gebiete sich bis zum Schwarzen Meer erstrecken. Zwischen sie geschoben haben sich u. a. die türkischen Karatschaier und die Osseten, die eine nordiranische Sprache sprechen. Die Abchasen bedienen sich eines Idioms, das dem Nordkaukasischen nahesteht, jedoch kein Georgisch ist.

Es fehlt den Kaukasussprachen und somit auch den Kaukasusvölkern an jeder Gemeinsamkeit. Jedes Volk ist zudem noch in viele mehr oder wenige autarke Untergruppen aufgeteilt und zersplitter.

Am Beispiel der Tscherkessen kann das deutlich gemacht werden:

In der Geschichte wurden die Tscherkessen unter verschiedenen Namen bekannt, wie Zircassier, Circassians, Keschaks oder Kerket. Ihre Eigenbezeichnung ist Adyge ( die Edlen). Der Begriff Tscherkessen ist eine Sammelbezeichnung für Angehörige sowohl kulturell als auch sprachlich eng verwandter Bergstämme im Nordwestkaukasus. Dazu gehören: 1.Abzeh, 2.Besleney, 3.Bjedugh, 4.Cemguy, 5.Hakkucu, 6.Hatikhuay, 7.Khabardey, 8.Maxhuesch, 9.Mamkeyh, 10.Natixhuay, 11.Schapsigh, 12.Yecerikhuay.

Auch die Abchasen und Ubychen gehören zu den Tscherkessischen Völkern, diese sind fast identisch mit der Kultur der Tscherkessen, jedoch haben sie teilweise eine andere geschichtliche Vergangenheit, gemeinsam gehören sie alle zur adyge-abchasichen Sprache und diese wiederum gehört zu dem nordwestlichen Zweig der kaukasischen Sprachenfamilie, zu denen auch tschetschenisch, lesgisch und georgisch gehören

Die Tscherkessen sollen die frühesten bekannten Bewohner des Kaukasus sein, und sie behaupten von sich, das sie einst das wichtigste Volk waren. Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich über der Ostküste des Schwarzen Meeres, dem mittleren Kuban, dem unteren Kuban, dem Westufer des Terek-Flusses und dem Großteil der Kabardei.

Wer glaubt, das die zahlreichen Sprachen und Völker/Volksgruppen schon ausreichend verwirrend sind, hat die Familien und ihre Clans vergessen. Wenn wir uns z.B. die Flagge der der Autonomen Republik Adygeya anschauen, die gleichzeitig auch die Flagge aller Tscherkessischen Völker und Volksgruppen darstellt, wird deutlich wie stark die Macht und der Einfluss einzelner Familien und Clans ist:
Die 12 goldenen Sterne im Halbkreis auf grünem Grund repräsentieren die obengenannten tscherkessischen Völker, die darunter angebrachten 3 goldenen Pfeile stehen für die Familien Zanyiko, Bolotoko und Aytekyiko.

Um bei einem potentiellen Kaukasus-Problemlösungs-Gipfelgespräch also NUR die Tscherkessen sich angemessen repränsenten zu lassen bedarf es mindestens 15 Personen (12 eigenständige Volksgruppen und drei maßgebliche Familien-Clans). Je nach Quelle werden insgesamt zwischen 60-80 Völker und Sprachen für den Kaukasus angegeben. Ein derartiges Gipfelgespräch hätte also mehr Teilnehmer als Abgeordnete im Bundestag sitzen !

Das nächste organisatorische Problem für so ein Gipfeltreffen wäre es, eine gemeinsame Sprache zu finden. Russland und russisch darf es ja nicht sein, ist ja angeblich eine "Besatzersprache". Nur, auf welche Sprache soll sich geeinigt werden ? Auf eine kaukasische Sprache ? Dann laßt uns auch darauf etwas näher eingehen:

 

( Verbreitung der wichtigsten Sprachen und Volksgruppen im Kaukasus )

 

Der Begriff “kauskasische Sprachen” ist eine rein geographische Bezeichnung. Es handelt sich um eine unter geographischen Gesichtspunkten zusammengefasste Gruppe die im Kaukasus gesprochen werden, und von denen ungefähr 40 Sprachen nicht zur indogermanischen und nicht zur semitischen Sprachfamilie zählen. All diese Sprachen gehören mit Sicherheit zu den schwierigsten der Welt.

Viele der Sprachen weisen unglaublich viele Handlungsarten des Verbs auf. Praktisch alle haben ein außerordentlich reiches Konsonantensystem. So verfügt der abchasische Dialekt Bzyb über 69 Konsonanten, das Ubychische hat sogar über 80 Konsonanten, also rund das 4-fache wie das Deutsche.

Außerdem zeichnen sich diese Sprachen durch ihre Kombination von Konsonanten, besonders von Kehl- und Zischlauten aus, die für Ungeübte praktisch kaum auszusprechen sind. Hinzu kommt die extrem niedrige Vokalzahl: nur 2 - 3 gegenüber rund 10 im Deutschen, wenn man die Umlaute, Diphtonge und Halbvokale mitrechnet. Da Vokale beim Sprechen allgemein reduziert werden, besteht die gesprochene Sprache praktisch nur aus Konsonanten. Diese Sprachen wurden daher vielfach sogar als vokallos beschrieben.

Alle Kaukaussprachen verfügen über eine äußerst komplexes Fallsystem, nicht zuletzt aufgrund der Fülle von Lokativen, die räumliche Beziehungen ausdrücken (Allein in der Sprache "Tzes" gibt es deren 56 !). Die Fälle werden agglutierend gebildet, also durch die Anfügung von Nachsilben. Für jeden Fall steht nun ein Suffix, das die Lage des Bezugspunktes benennt (auf, bei, unter, hinter). Daran kann ein weiteres gehängt werden, das eine Bewegung zum Bezugspunkt X ausdrückt (“zu”, “auf X zu”, “von X weg”). Weitere Suffixe sind möglich.

In "Tsez" lassen sich folgende räumliche Konzepte allein durch Fallmerkmale (also ohne Präpositionen) ausdrücken: “in einem hohlen Gegenstand” (z.B. einem Zimmer), “inmitten einer Menge”, “auf einer horizentalen Oberfläche”, “unter”, “bei, nahe”, “zu”, “von”, “auf (einen fernen Punkt) zu”, “von (einem fernen Punkt) weg” und “durch” !

Ein besonderes Kennzeichen des Georgischen und der anderen südkaukasischen Sprachen ist die ungewöhnliche Standardwortstellung. Das Agens (der Handelnde) steht nicht wie bei den weitaus meisten Sprachen im Nominativ (Subjekt), sondern im Ergativ, während das direkte Objekt dagegen im Nominativ steht. Aus diesem Grund nennt man diese Sprachen Ergativsprachen.

Das Swanische ist eine der weniger bekannten Sprachen aus den Hochgebirgsregionen des Kaukasus. Es zählt zur Familie der Kartwelsprachen, die sämtlich nur in Kaukasien beheimatet sind. Während das eng verwandte Georgische die älteste schriftlich belegte kaukasische Sprache ist - Schriften sind seit dem 1. Jahrhundert vor Christus belegt -, verfügt das Swanische über keine eigene Literatur.

Das alles ist der Kaukasus !